EIN SCHANDFLECK VERSCHWINDET

Ein Schandfleck verschwindet

Gießener Allgemeine 19. April 2018 21:37 Uhr
Von Christina Jung

Nur noch ein großer Haufen Bauschutt: Die Überreste des ehemaligen Nahkaufs in Annerod türmen sich an der Ecke Bornweg/
Rödgener Straße. (Foto: ti)

Der ehemalige Nahkauf in Annerod ist Geschichte. Lediglich ein riesiger Berg Bauschutt ist davon übrig.
Der Abriss auf dem Gelände an der Ecke Bornweg/Rödgener Straße/Grasweg hatte vor rund vier
Wochen begonnen, um die Fläche für ein neues Projekt frei zu machen. Auch baurechtlich ist dieser
Weg mittlerweile abschließend bereitet: In ihrer Sitzung am Dienstagabend beschlossen die Gemeindevertreter
den Bebauungsplan Grasweg als Satzung. Einstimmig.

»An allen Ecken und Enden fehlt es an Wohnraum«, mit dem Bauvorhaben in Annerod werde Abhilfe
geschaffen, erklärte Gerd Espanion für die SPD. Mark Reitmeier (CDU) begrüßte die »Maßnahme der
Innenentwicklung, die eine Aufwertung des Ortsbildes« mit sich bringe. Kritische Töne kamen von
den Grünen. Nicht wegen des Projektes an sich, sondern weil sich offenbar einige Anwohner grämten,
sagte Bernd Voigt. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge stimmte Peter Steil (FDP)
für den Satzungsbeschluss. Es verschwinde zwar ein Schandfleck, damit aber gleichzeitig seine letzte
Hoffnung auf die Ansiedlung eines Nahversorgers im Dorf.

Nahversorger für Annerod
Letzterem widersprach Bürgermeister Stefan Bechthold. In Annerod soll einkaufen künftig wieder
möglich sein und zwar westlich der Großen-Busecker Straße. Dort, wo auch ein neuer, vierzügiger
Kindergarten entstehen wird. Ende Mai will der Rathauschef das Konzept der Öffentlichkeit präsentieren.
An der Ecke Bornweg/Rödgener Straße/Grasweg hätte sich ohnehin kein neuer Markt mehr
angesiedelt, gab Ulrike Bell-Rieper (FW) zu Bedenken. »Das Objekt wäre nur weiter verfallen.«
Auf dem ehemaligen Nahkauf-Gelände will eine Investorengruppe, zu der die EFM Management AG
aus Nordhessen und einige örtliche Beteiligte gehören, ein zweiteiliges Gebäude, verbunden durch
ein gemeinsames Treppenhaus, errichten. Acht Einheiten sind pro Haus vorgesehen, drei davon als
Gewerberäume angedacht. Der Rest soll zu Ein- bis Zweizimmerappartements zwischen 60 und 100
Quadratmetern mit Balkon oder Terrasse ausgebaut werden.
Zwei Vollgeschosse und ein Staffelgeschoss sind geplant. Die notwendigen Stellplätze sollen in einer
von der Borngasse aus anzufahrenden Tiefgarage untergebracht werden. Von dort aus führt ein Fahrstuhl
bis ins Dachgeschoss, was die Wohnungen barrierefrei macht. Zum Grasweg hin werden sich
nur der Eingang und einige Besucherparkplätze befinden.
Was den baulichen Zeitplan angeht, rechnen die Investoren im Spätsommer 2019 mit bezugsfertigen
Appartements. Nachdem die Gemeindevertretung nun den Satzungsbeschluss gefasst hat, soll der
Bauantrag eingereicht werden. Ist der genehmigt, geht es los. Vermutlich im Frühsommer.